Auf tirolerischen Almen

Bild: Franz Friedrich Kohl.

Liedbiografie:

Die Bewirtschaftung der Alm während des Sommers galt alles andere als einfach. Trotzdem genoss das Almpersonal fernab des Hofes viele Freiheiten. So wird in diesem Lied das Almleben als Ausnahmezustand, als Ort der Freiheit, der im Gegensatz zu den beengenden Verhältnissen im Tal steht, beschrieben. Vor allem die Textzeile: „Im Thal da hats an‘ Nöb’l, auf den Almen ist’s klar…“ lässt den Gegensatz zwischen Tal und Alm deutlich erscheinen, nicht nur die Wetterverhältnisse, sondern als Metapher verpackt erscheint das Geschehen im Tal nicht immer redlich zu sein. Wohl deshalb wird dem Abschied am Ende des Sommers wehmütig entgegengeblickt. Besonders die Alm ist mit dem Jodler und Juchzen verbunden, deshalb weisen viele Almlieder, wie auch hier einen Jodler auf.

Das Lied wurde erstmals 1897 von dem bekannten Tiroler Volksliedsammler und -forscher Franz Friedrich Kohl aufgezeichnet, von Hubert Steiner vierstimmig gesetzt und im ersten Band Kohls mit dem Titel „Echte Tiroler Lieder“, veröffentlicht. Als Volksliedforscher ging dieser im gesamten Tiroler Raum seiner Sammelleidenschaft nach und war um die Erfassung „echter, bodenständiger“ Tiroler Lieder bemüht, die er von den „volksthümlichen“ Liedern als auch vom „Bängelgesang“ seiner Zeit abgrenzte. Überliefert wurde ihm das Lied von Elise Kindl aus Stubai, die als Wirtschafterin in St. Leonhard in Passeier tätig war. In Kohls Aufzeichnungen kommen vier Strophen vor, wobei sich nur drei durchgesetzt zu haben scheinen. Jene von der „Sennerin“ und dem „Bua“ ist in weiteren Aufzeichnungen wie der Südtiroler Sammlung von Alfred Quellmalz (1940-1942) und den Osttiroler Feldforschungen von Manfred Schneider (1982-1984) nicht zu finden.

Tonaufnahme:

Das Tonbeispiel stammt aus letzterer Feldforschung von Manfred Schneider. Es wurde 1984 in Nussdorf-Debant in Osttirol aufgezeichnet, gesungen vom Ehepaar Gertrud und Helmut Patterer. Daraus wurde diese Handschrift angefertigt. Ein weiteres Tonbeispiel stammt aus einer 1973 von Hans und Gerlinde Haid durchgeführten Feldforschung in Sulztal bei Längenfeld. Im Rahmen des Almabtriebs wurde diese Aufzeichnung beim nachfolgenden gemütlichen Beisammensein im Gasthaus gesungen.