Oj, Jelena, Jelena – Oh, Helene, Helene

In dem Lied putzt sich die schöne Jelena heraus. Sie will nicht arbeiten, und wenn sie etwas erntet, wirft sie es vor die Pferde. Das Lied ist ein kroatisches Volkslied aus dem Nordburgenland und in mehreren Melodien überliefert. Joseph Haydn zitiert das Lied im Finalsatz seiner Symphonie Nr. 104.

Die kroatische Minderheit im Burgenland (kroatisch „Gradišćanski Hrvati“) wurde im 16. Jahrhundert zu wirtschaftlichen Zwecken und zur Verteidigung gegen das immer wieder vorrückende Osmanische Reich in diesem Raum angesiedelt. Es ließen sich hauptsächlich kroatische Bauern nieder, die ihre jeweiligen Dialekte, Lebensgewohnheiten, Bräuche, Lieder und Tänze aus ihrem Heimatland mitbrachten. Dabei spielte die Dorfgemeinschaft eine maßgebliche Rolle zur Entwicklung des religiös-kulturell geprägten Vereinswesens. Besonders seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Kultur der Burgenlandkroaten von Wien gefördert, um damit die antihabsburgische Stimmung in der ungarischen Reichshälfte einzudämmen, zu der das Burgenland damals zählte. Trotz intensiver Bemühungen der ungarischen Regierungen das Burgenlandkroatische zu verdrängen, gelang dies nur begrenzt. Seit das Burgenland jedoch 1920 der Republik Österreich angegliedert wurde, verminderte sich der kroatische Sprachgebrauch. Besonders unter dem Nationalsozialismus kam es zu einer Zurückdrängung der kroatischen Sprache und zu Verfolgung. Im Staatsgrundgesetz von 1955 wurde der Schutz der Minderheit verankert, welcher jedoch bis heute nicht immer vollständig erfüllt wird.

Seit Jahrhunderten leben im Grenzgebiet zu Ungarn Deutsche, Kroaten, Ungarn, Roma und Juden, die sich gegenseitig bereichern. So beeinflusste hianzische und kroatische Volksmusik Joseph Haydn, Franz Liszts holte sich Eindrücke bei Roma-Musikern. Auch die hier zu hörende Gruppe Heigeign wirkt im Spannungsfeld zwischen pannonischer Volksmusik, Pop und Jazz, mit Texten in Hianzisch, Burgenlandkroatisch, Roman und Ungarisch. Hier geben sie dem kroatischen Volkslied karibischen Flair.

Bild: Heigeign (Foto: Emmerich Mädl)


Projekt:
Joseph Haydn – Wanderer zwischen den Welten
Schulen:
7. Musikklasse und Chor des Haydn-Realgymnasiums, Gymnazyium Slovanske Nam (Brno/CZ), Gymnazium Golianova (Nitra/SK), Klara Leöwey Gymnasium (Pécs/H), Utrechts Stedelijk Gymnasium (NL), Gymnasium Oberpullendorf (Burgenland)
Zeitraum:
Jänner – Juni 2009
Personen:

gesamt 8 Lehrpersonen, 108 Schülerinnen, 2 ReferentInnen, Panteleimon-Quartett, Tamburica-Orchester Panonici (Oberpullendorf), (Orte für Veranstaltungen: Joseph Haydn Konservatorium Burgenland, Musikschule Margareten, Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien)

Projektbeschreibung:

Anlässlich des Europäischen Jahres zum interkulturellen Dialog und des 200jährigen Gedenkens an Joseph Haydns (1732-1809) Todestag wurde dieses Projekt durchgeführt. Neben der musikalischen Annäherung mit Partnerschulen sollte besonders der Lebens- und Musikwelt Haydns, im Umfeld verschiedensprachiger Kulturen nachgespürt werden.

Bereits im Jänner begann für die SchülerInnen des Haydn-Gymnasiums eine ausführliche Vorbereitungszeit in Plenumsgruppen (Orchester, Chor) und Workshop-Gruppen (Streicher, Gesang, Holzbläser, Orffinstrumente) für ein gemeinsames Konzert an vier Projekttagen mit den Partnerschulen im März.

Bei den Projekttagen trafen SchülerInnen aus fünf Nationen in Wien zusammen, die in Workshops und im Plenum gemeinsam musizierten und sangen. Neben den Proben wurde auch eine Burgenlandfahrt nach Eisenstadt eingeplant. Dort forschten die SchülerInnen vor allem den Spuren des Komponisten Haydn nach und erlangten damit Einblicke in das damalige und gegenwärtige Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen (Deutsche, Burgenlandkroaten, Ungarn, Juden, Roma). Zudem wurde hinter die Kulissen der Minderheiten Redaktion im ORF Landesstudio geblickt. Anschließend erlebten die Beteiligten bei einem Konzertabend mit dem Panteleimon Quartett und dem Tamburica Orchester im Joseph-Haydn-Konservatorium in Eisenstadt die Wechselwirkung von kroatischer Volksmusik und den Werken Haydns hautnah mit.

Als Abschlussveranstaltung gestalteten die SchülerInnen selbst ein gemeinsames Konzert und sangen das während der Projekttage erlernte kroatische Lied „Oj Jelena, Jelena“, das hier von der Gruppe „Heigeign“ mit karibischen Klängen neu interpretiert wird.