Jucker aus dem Montafon

Liedbiografie:

Dieses Jucker ist in der sogenannten Sonnleithner-Sammlung um 1819 überliefert. Dabei handelt es sich für die Volksmusik um eine der ersten großangelegten Sammelaktionen. Joseph v. Sonnleithner (1766-1835), Generalsekretär der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, führte eine volksmusikalische Umfrage in allen österreichischen Kronländern der Monarchie durch. Zahlreiche Handschriften und Dokumente von Liedern und Tänzen dokumentieren das Musikleben der Menschen in den Dörfern und Städten vor 200 Jahren. In diesen Beständen sind auch für Vorarlberg Melodien zur Tanzmusik überliefert. Die Melodien jener Zeit sind darin alle einstimmig zu finden.

Bei diesem österreichischen Volkstanz, dem Jucker (A-Wgm Sonnleithner-Sammlung, Vorarlberg – Kreis Bregenz VI. 27473, TV XXVIII bis XXXII), handelt es sich um einen schnellen galoppartigen Rundtanz im 2/4 Takt. Ganze 200 Jahre ist es in der musikalischen Praxis still geworden um die Musikgattung „Jucker“. Wohl deshalb wissen wir wenig über die dazugehörige Tanzpraxis.

Zu den Einspielungen:

Evelyn Fink Mennel vom Zentrum Folk und Volksmusikforschung am Vorarlberger Landeskonservatorium hat diese spannende Melodie des Juckers aus dem Montafon (und viele andere Handschriften aus der oben genannten Sammlung) neu arrangiert und zum Musizieren aufbereitet. 2019 veröffentliche sie gemeinsam mit dem ORF Vorarlberg und dem Vorarlberger Volksliedwerk die CD „Jucker, Springer, Rongger, Schlicher Nationaltänze aus alten Vorarlberger Sammlungen( Sonnleithner 1819, Strolz 1812-1818). Die Aufnahme des Juckers spielte sie mit dem Ensemble tanzbar (mit Irma-Maria Troy, Violine und Matthias Härtel, Kontrabass) ein. Für das Ensemble „Kons-Fiddler“ (Kons ist der Rufname in Vorarlberg für das Vorarlberger Landes“kons“ervatorium), in den Videos zu sehen ist, studierte sie den Jucker 2020 für den Wettbewerb Prima la musica für 4 Rollen/Spielerinnen ein. In den Videos spielen Pia Mennel (1. Melodievioline), Fiona Warentisch (2. Melodie-Violine), Laura Purin (Nachschlag, 3. Melodie-Violine) und Clemens Erhart (Kontrabass). 

 

Projekt:
Von der einstimmigen Überlieferung zum mehrstimmigen Satz
Schulen:
Kons-Fiddler
Zeitraum:
August-September 2021
Personen:
Evelyn Fink-Mennel
 
Projektbeschreibung:
 

Die Lehrvideos zeigen, wie aus einer einstimmigen Melodieüberlieferung ein Satz für Ensemble entsteht und wie viele Möglichkeiten die Ensemble-Musikant*innen haben, die überlieferte Melodie (gespielt von der 1. Geige als der einzigen Rolle, die fix und gegeben ist) melodisch, rhythmisch und harmonisch im Verlaufe des Stückablaufes variativ zu „setzen“.

Evelyn Fink Mennel hat Instrumental- und Gesangspädagogik-Violine Klassik an der mdw studiert und war von 1998-2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrende am Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie der mdw. Seit 2010 lehrt und forscht sie am Vorarlberger Landeskonservatorium und macht Workshops für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen (Schwerpunkt Grundschulen: „Jodeln echt cool!“, „Singen, Bewegen, Experimentieren“, „Wieviel Heimat steckt für Kinder in Europa?“), sowie Kurse in der Erwachsenenbildung und an Musikhochschulen im In- und Ausland. Sie ist Leiterin der Musikwerkstätten „Glatt&Verkehrt“ (NÖ) und „Radix“ (V) mit einer eigenen „Kinder-Fiddleklasse“, die an der Musikschule Lustenau ganzjährig als „Ort informellen Lernens“ (Lernen übers Hören von einem Menschen, nicht von Noten) geführt wird. Als Volksmusikforscherin ist sie mit „einem Ohr immer bei den Menschen und ihren musikalischen Erzählungen“, als Pädagogin und Musikvermittlerin schafft sie „Räume für musikalisches Erleben in der Gruppe“. Dazu gehört auch die Hinführung zum mehrstimmigen Musizieren. 

 
 

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