O du lieber Augustin

 

 „O du lieber Augustin“ ist ein altes, im ganzen deutschen Sprachraum bekanntes, Tanzlied, dessen Melodie bereits 1670 am Kölner Karneval gesungen worden sein soll.

Das Lied handelt von Augustin Marx oder Marx Augustin (1643 – 1705), einem Wiener Dudelsackpfeifer und Bänkelsänger, der nach einer durchzechten Nacht in die Pestgrube fiel und dort bis zum Morgen schlief. Wundersamerweise überlebte er diese Nacht dank des genossenen Alkohols und zog umher, um davon zu berichten und die Leute damit zu unterhalten. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich um eine Legende handelt, denn das Lied tauchte in Wien erst um 1800 auf und erfuhr unzählige Bearbeitungen als Tanzmusik, Opernparodie, für Klavier und für das Theater. Doch nicht nur in Wien sondern in ganz Europa wurde das Augustinlied zeitgleich musikalisch verarbeitet, daher könnte es von Sachsen nach Wien gekommen sein, wo es dann dem wienerischen Sprachgebrauch angepasst wurde. Die Pestlegende und das Lied bestanden lange Zeit nebeneinander, ohne in Zusammenhang gesetzt zu werden.

Erst der Wiener Sagensammler Moritz Bermann verband die beiden Teile 1865 und fortan wurde das Lied dem Lieben Augustin zugeschrieben, der in der Pestgrube landete. Die Beliebtheit des Augustinlieds ist dadurch dokumentiert, dass es unter anderem in Film, Operette, Kabarett, Kammermusik, Komödie, Theater und Singspiel vorkommt bzw. dass der Augustin als Namensgeber und Schutzpatron für Zeitschriften und Zeitungen dient – bis in die heutige Zeit hinein.

Seit dem Ersten Weltkrieg wird dieses Lied im Salzkammergut als Abschluss einer Veranstaltung im Zusammenhang mit den „Drei Schleunigen“ gesungen. Das heißt, nach dem dritten Durchspiel des Schleunigen wird die Augustinweise in gedehnter Version als Kehraus eingebaut.

In Kindergärten und Schulen stellt die Handlung des Liedes heute noch eine beliebte Erzählung dar und das Lied wird gerne gesungen. Hier handelt es sich um eine Aufnahme der Kinder der Musik- und Singschule der Stadt Wien, welche 2008 anlässlich des 70. Jubiläums der Schule mit rund 1000 Mitwirkenden im Großen Saal des Wiener Konzerthauses ein aufwendiges Programm zum Besten gaben.

 
Bild: Zeichnung VS Karlsplatz entstanden im Rahmen des Schulprojekts „Mit allen Sinnen“
 

Projekt:
Heimat bist du voller Töne … Ein grenzenloses Musikvergnügen
Schulen: 
ab 4. Schulstufe Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik, Wien
Zeitraum:
6 Stunden
Personen:
angehende KindergartenpädagogInnen, diverse ReferentInnen
 

Projektbeschreibung:

Das Projekt „Heimat bist du voller Töne…“ wird vom Wiener Volksliedwerk speziell für angehende KindergartenpädagogInnen der Wiener BAKIPs angeboten. Dabei sollen diese mit volkskulturellen Inhalten vertraut werden, um diese in ihrer späteren Tätigkeit mit Kindern ab bereits drei Jahren einzubringen. Ziel ist dabei ein Bewusstsein für ein interkulturelles Miteinander zu entwickeln.

Im Rahmen eines ein- bzw. zweitägigen Workshops erlernen und erleben die PädagogInnen verschiedene Inhalte und Methoden für die Arbeit mit Kindern verschiedener Kulturkreise: Neben Liedern werden Reime, Sagen und Geschichten sowie Musik, Bewegung bzw. Tänze aus dem eigenen und anderen Kulturkreisen erforscht und ausprobiert. Dabei wird das in Schulen und Kindergärten beliebte Lied „O du lieber Augustin“ kennen gelernt, das hier von Kindern der Musik- und Singschule der Stadt Wien zu hören ist.

Das im Workshop gesammelte Wissen bietet den PädagogInnen in ihrer Arbeit die Möglichkeit über spielerisches Musizieren, Bewegen und Tanzen verschiedene Kulturkreise zu erschließen, Gemeinsamkeiten zu entdecken, Unterschiede zu überbrücken und wechselseitige Einflüsse der Kulturen bewusst zu machen. Diese Ansätze werden nachhaltig dazu beitragen kulturelle Vielfalt zu schätzen, Berührungsängste und Vorurteile bereits im frühen Kindesalter abzubauen.

Weiters erhalten die PädagogInnen Unterrichtsmaterial zu Wienspezifischen Liedern, zu „Volksmusik im Alten und Neuen Wien“, Organisationshilfen für Ausflüge in Wien, Feste und Feierlichkeiten. Dieses beinhaltet neben den im Workshop kennen gelernten weiterführende Materialien, Texte, Tänze, Noten mit Begleitung, Quellennachweise und Animationen. Darüber hinaus gibt es auch grundlegende Informationen zum interkulturellen Lernen.

 

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