In der ganzen Stadt, da brennet kein Licht (Vom Herrn Jesus)

Dieses alte Karfreitagslied stammt aus der Gottschee (Kocevje), einer „deutschen Sprachinsel“, die seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bis zur Umsiedlung unter den Nationalsozialisten 1941 im heutigen Slowenien bestand. Das Lehen der Grafen von Ortenburg (Oberkärnten) wurde hauptsächlich mit Bauersleuten aus Oberkärnten und dem heutigen Osttirol besiedelt. Aus den mitgebrachten Dialekten entwickelte sich die Gottscheerische Mundart, die auch in diesem Lied zu finden ist und in Sprachforschungen immer wieder auf großes Interesse stieß. Mit dem Zerfall der Donaumonarchie wurde die Gottschee 1918 Teil des Königreichs Jugoslawien. Die damit einhergehende zunehmende Beschneidung der Rechte der Minderheiten und die folgende Umsiedlung nach Österreich durch die Nationalsozialisten führten zu mehreren größeren Auswanderungswellen dieser Bevölkerungsgruppe, vorwiegend nach Amerika.

Mit den ersten Sammelaktionen des Österreichischen Volksliedwerkes zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde auch in der Gottschee eine Vielzahl an Volksliedern aufgezeichnet. Das Lied, auch unter dem Titel „Vom Herrn Jesus“ bekannt, ist in mehreren Versionen vorhanden. Die vorliegenden Noten wurden von Engelbert Maurin bearbeitet, mehrstimmig gesetzt und 1939 publiziert. Die Aufzeichnungen stammen entweder vom Autor selbst oder vom Volksliedsammler Josef Perz. Weitere Aufzeichnungen sind von Johann Tschinkel (1875-1925) zwischen den Jahren 1895 bis 1918 bekannt, sowie von Fritz Berthold im Zuge eines 1935 durchgeführten Preissingens in der Gottschee. Speziell aus seinen Unterlagen geht hervor, dass diese Untersuchungen bzw. das Preissingen stark zur ideologischen Festigung des Deutschtums beitragen sollten.

Schließlich kam das Lied, entweder durch die Aufzeichnungen oder die Auswanderungen der Gottscheer, in den alpenländischen bzw. tirolisch-bayrischen Raum, wo es seit den 1950er Jahren bei Gesangsgruppen beliebt ist. Die hier zu hörende Tonaufzeichnung des gemischten Chores „Heimatklang“ Bach,­ eine Bearbeitung für Männerchor und Sopransolostimme, scheint das Lied aber auch bei Kärntner Chören attraktiv zu machen. 2005 wurde das Lied mit der Solistin Edeltraud Ingrid Hirm aufgezeichnet. Der seit 1949 bestehende Chor bestreitet jährlich unter der Leitung von Siegi Hoffmann zwei vorösterliche Singen und versteht dies als Beitrag der musikalischen Brauchtumspflege. Die hier abgebildeten SchülerInnen der Volksschule St. Ursula in Klagenfurt trugen das Lied bei einer Kreuzweg Begehung im Rahmen des Schulprojektes des Österreichischen Volksliedwerks „Mit allen Sinnen“ vor.

Bild: SchülerInnen der VS St. Ursula in Klagenfurt bei ihren selbst gestalteten Kreuzwegstationen 2009 im Rahmen des Schulprojektes „Mit allen Sinnen“ des Ö. Volksliedwerks


Projekt:
Kreuzwegprojekt – Auf dem Weg zum Osterfest
Schulen:
4. Volksschule St. Ursula, Klagenfurt
Zeitraum:
19.01.- 02.04.2009
Personen:
9 LehrerInnen, 25 SchülerInnen, 1 Musikpädagogin 
 

Projektbeschreibung:

In diesem Projekt beschäftigten sich die SchülerInnen mit ihren LehrerInnen fächerübergreifend mit dem Osterfest, insbesondere der Leidensgeschichte Jesu und erforschten überlieferte Rituale und Osterbräuche. Der Religionsunterricht spannte einen Bogen vom Aschermittwoch über die gesamte Fastenzeit bis hin zum Osterfest. In Gruppenarbeiten wurde anhand von Sachtexten intensiv über Bedeutung und Sinn der Fastenzeit bzw. der damit verbundenen Symbole (Osterfeuer, Osterkerze, Weißer Sonntag…) sowie der darin fallenden besonderen Tage (Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag) gesprochen und Plakate dazu gestaltet. Anhand dieses Wissens fertigten die Kinder im Werkunterricht Kreuzwegstationen an, kreativ gestaltete Bilder und Holzkreuze, mit den in Mathematik gelernten römischen Ziffern. Für die szenische Darstellung des Kreuzweges übten die Gruppen im Deutschunterricht anhand von Gedichten und Texten das deutliche und ausdrucksvolle Sprechen. Zur Perspektivenerweiterung trug eine Exkursion zum Dom zu Gurk bei.

Als Höhepunkt dieses Projektes begingen die SchülerInnen und LehrerInnen gemeinsam mit den Eltern diesen mit 15 Stationen gestalteten Kreuzweg. Dabei wurden Lieder und Texte stimmungsvoll vorgetragen – eines davon war das alte Karfreitagslied „In der ganzen Stadt“ aus der Gottschee (Kocevje im heutigen Slowenien), welches neben überlieferten Fastenliedern sowie neueren geistlichen Liedern im Musikunterricht einstudiert und deren Inhalte diskutiert wurde. Das zu hörende Tonbeispiel stammt vom Chor „Heimatklang“ Bach.

Das Projekt schaffte einen zeit- und kindergemäßen Zugang rund um die Passions- und Osterzeit, um so Einblicke in Kultur und Glauben begreifbar zu machen.