Gibele, Gäbele (En offi, en ahi)

Der Ursprung dieses Tanzliedes dürfte im Montafon liegen. Die Melodie und der Text einer Strophe sind bereits in der Handschrift von Josef Martin Strolz um 1812 bis 1818 erfasst. Der Tanz zum Lied wird in der Volksüberlieferung als „En offi, en ahi“ („Einen Gang hinauf, einen Gang zurück“) bezeichnet.

Beim „Kaiserfest“ 1908, dem sechzigjährigen Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph, wurde der Tanz in Wien öffentlich vorgeführt. Die Tanzabfolge wurde erstmals von August Schmitt in den 1920er Jahren schriftlich aufgezeichnet. Der Tanzforscher hatte den Tanz in der Gemeindekanzlei in Schruns erlernt, er soll besonders bei Hochzeiten als Eröffnungs- und Schlusstanz verwendet worden sein. Schmitt fand Varianten in Schruns, St. Gallenkirch, Gaschurn, Bartholomäberg, Rankweil, Schlins und Bezau. Publiziert wurde die Tanzbeschreibung erstmals von Raimund Zoder 1928 in „Altösterreichische Volkstänze“.

Der Tanz, auch „Ahetanz“ genannt, wird von je einem Tänzer und zwei Tänzerinnen ausgeführt. Diese Tanzform reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück und geht wahrscheinlich auf den Altdeutschen, einen geschrittenen Tanz zurück. Die Besonderheit dieses Tanzes liegt darin, dass die Tänzerinnen und Tänzer der Musik hingewandt sind und mit ihr eine Einheit bilden. Diese Verbindung wird besonders deutlich durch die gegenseitige Begrüßung und das Mitsingen der Tänzer der ersten Strophe. Erst im zweiten Teil wenden sich die Tanzenden dem Publikum zu.

Während Texter und Komponist der ersten Strophe unbekannt sind, wurde die zweite Strophe durch Arthur Wolf mitgeteilt, während die Strophen drei bis sieben von Otto Borger (1904 – 1994) stammen. Im Rahmen des Schulprojektes „Mit allen Sinnen“ ist das Lied von der Volksschule Bludesch für die CD „Und wenn üser Ländle a Käsknöpfle wär“ 1999 aufgenommen und im Liederbuch „Gibele, Gäbele veröffentlicht worden. Beide Publikationen haben zum Ziel, speziell Kindern zeitgemäß Vorarlberger Lieder und Tänze für den heutigen Gebrauch anzubieten.

Bild: August Schmitt mit den Schwestern Hämmerle aus Lustenau, Lech/Tannberg 1929, Vlbg. Landesarchiv-Musiksammlung, Fotodokumentation


Projekt:
Volksmusikinstrumente zum Angreifen – Volksmusik in der Schule
Schulen:
1. – 3. Klasse Volksschule Leopoldstraße, Dornbirn, Vorarlberg
Zeitraum:
19.11.2011
Personen:
47 SchülerInnen, 3 Lehrpersonen, 3 ReferentInnen der Gruppe Vielklang

Projektbeschreibung:

Das Projekt Volksmusikinstrumente zum Angreifen wird immer wieder vom Vorarlberger Volksliedwerk im Rahmen des Schulprojektes „Mit allen Sinnen“ durchgeführt. Dabei geht es um das Kennenlernen der in Vorarlberg gebräuchlichen Instrumente wie Zither, Hackbrett, Klangbrett, Gitarre, Okarina, Harmonika, Harfe und Schwegelpfeife.  Alternativ kann ab der 3. Klasse auch das Unterrichtsfach Werken einbezogen werden, indem die Schwegelpfeifen, die als Vorgänger der Querflöte gelten, aus Elektrorohren selbst gebaut werden. Die im Unterricht kennen gelernten einfachen Melodien können in wöchentlichen, außerschulischen Einheiten erweitert werden.

Im Schuljahr 2010/2011 wurde das Projekt mit der Volksschule Leopoldstraße in Vorarlberg umgesetzt. Die Gruppe Vielklang bestehend aus drei MusikantInnen besuchte die Klasse und stellte verschiedene Instrumente vor. Neben wissenswerten Informationen zur Herkunft bzw. Tradition des Instrumentes, erfuhren die SchülerInnen, wie mit den Instrumenten musiziert werden kann. Die MusikantInnen gaben verschiedene Kostproben, da das Zuhören eine ebenso wichtige Rolle wie das anschließende Ausprobieren einnahm. Die SchülerInnen lernten das Hackbrett mit den fast 100 Saiten kennen, das Klangbrett, die Gitarre, Harfe, Zither und Raffele. Neu und völlig unbekannt war die Okarina in verschiedensten Größen aus Ton. Die Steirische Harmonika begeisterte vor allem die Buben. Für viele Kinder fand durch dieses Projekt die erste Begegnung mit derlei Volksmusikinstrumenten statt. Vielleicht ein Anreiz, selbst irgendwann ein Instrument zu erlernen.

Im Rahmen eines dieser „Mit allen Sinnen“ Schulprojekte wurde das Lied von der Volksschule Bludesch für die CD „Und wenn üser Ländle a Käsknöpfle wär“ 1999 aufgenommen und im Liederbuch „Gibele, Gäbele“ veröffentlicht. Damit soll speziell für Kinder ein zeitgemäßer Zugang zu Vorarlberger Liedern und Tänzen geschaffen werden. Der auf dem Foto zu sehende Tanzforscher August Schmitt hat den Tanz zum Lied erstmals in den 1920er aufgezeichnet.