Sternpolka

Bekannt geworden unter dem tschechischen Namen „Doudlebska Polka“ herrschte über die Herkunft der Sternenpolka lange Zeit Uneinigkeit. Während die einen meinten, es handle sich um einen ursprünglich tschechischen bzw. slowakischen Tanz, verorteten andere ihren Ursprung in Dänemark. Eine weitere, abenteuerlichere Theorie ging davon aus, dass der Tanz durch eine tschechische Studentin in die USA gebracht wurde, wo er von Squaretanzgruppen adaptiert und in weiterer Folge über diese wieder zurück nach Europa kam.

Neben all den Mutmaßungen, stellte eine die Weiche zur Erkenntnis: da die Sternbildung beim Tanz auch bei der „Linzer Polka“ üblich ist, vermutete man einen gemeinsam Ursprung der beiden. In den 1980er Jahren bestätigte Rudolf Lughofer aus Kremsmünster diese Annahme. In seiner Tätigkeit als Blasmusikgruppenleiter pflegte er rege Kontakte zu Musikantengruppen rund um Budweis. Er berichtete, dass in diesem Gebiet die Sternpolka unter dem Namen „Doubleska Polka“ in der Form getanzt wurde, wie sie im deutschsprachigen Gebiet bekannt ist. Auf einem Notenblatt fand er auch den Namen „Linca Polka“.

Demnach lernten tschechische Musikanten, die im Zuge des Ausbaus der Pferdeeisenbahn Linz-Budvar im 19. Jahrhundert nach Oberösterreich, insbesondere nach Linz kamen, die „Linzer Polka“ kennen. Die Musikanten spielten sie nach, übernahmen die Tanzform und brachten die „neue“ Polka in ihre Heimat Böhmen. Den Erzählungen zufolge machten die Musiker auf der Rückfahrt nach Budweis Halt im Dorf Doudlebska, infolge sich der Namen ableitet.

Bei einem „Mit allen Sinnen“ Schulprojekt 2009/10 mit dem Titel „Musiziern nach´n G´hör & landlerisch tanz´n“ traten SchülerInnen der Landesmusikschule Bad Leonfelden im Mühlviertel bei einer „Musiroas“ im tschechischen Nachbarort Hohenfurt (Vyssi Brod) mit der Sternpolka, unter anderem mit der hier abgebildeten Tanzgruppe, auf.

Am Tonbeispiel ist Toni Pichler mit seiner Steirischen Harmonika zu hören.

Bild: „Musiroas“ mit der Volkstanzgruppe aus Tschechien im Rahmen des Schulprojektes Mit allen Sinnen


Projekt:
Volksmusik: „Musiziern nach´n G´hör & landlerisch tanz´n“
Schulen:
Alle Klassen der Landesmusikschule Bad Leonfelden, Mühlviertel
Zeitraum:
Schuljahr 2009/2010, Musiroas 27.06.2010
Personen:

945 SchülerInnen, 32 Lehrpersonen, 12 ReferentInnen: Ensemblespiel, Gesang, Tanz, Böhmische Volksmusik, diverse Instrumente; MusikerInnen und Tanzgruppe aus Tschechien.

Projektbeschreibung:

Im Schuljahr 2009/10 widmete sich die Landesmusikschule im Mühlviertel dem Thema Volksmusik. Die SchülerInnen der Instrumental-, Gesangs- und Tanzklassen sollten aktiv mit dieser Musikkultur und dem Umfeld in Berührung kommen. Zudem galt es über die Grenzen zu blicken und Volksmusik als auch MusikerInnen und TänzerInnen aus dem benachbarten Böhmen kennen zu lernen.

Für die Lehrpersonen wurden im Laufe des Schuljahres zwei Fortbildungstage für Volksmusik angeboten. Dies diente dazu, Lehrpersonen, die noch wenig Erfahrung mit dieser Musikrichtung hatten in die Thematik einzuführen. Auch einige ältere SchülerInnen nahmen daran teil. Weiters fand eine Fortbildung zum Thema „Böhmische Volksmusik / Lied / Tanz“ statt.

Während des Unterrichts beschäftigten sich alle SchülerInnen mit Volksmusik und –tanz. Bei Übertrittsprüfungen wurde ein Volksmusikstück (Solo oder im Ensemble) auswendig vorgetragen. Gleichzeitig bildeten sich mit Schuljahresbeginn klassenübergreifende Ensembles – Kinder ab 7 Jahren musizierten in entsprechenden Gruppen, um zum Tanz aufzuspielen oder Kinderlieder zu begleiten. Wert wurde vor allem auf die Verinnerlichung der Stücke gelegt, ganz dem Projektmotto entsprechend „Musiziern nach´n G´hör“. Mittels spielerischem „Auswendiglernen“ sollte das Erlernte jederzeit abrufbar und für den passenden Anlass einsetzbar gemacht werden.

Über den regulären Unterricht hinaus beteiligte sich die LMS Bad Leonfelden an diversen regionalen und überregionalen Veranstaltungen, um mit dem Umfeld bekannt und vertraut zu werden. Höhepunkt war eine „Musiroas“ in den tschechischen Nachbarort Hohenfurt (Vyssi Brod), bei dem am 27.06.2010 alpenländische und tschechische Volksmusik mit MusikerInnen und einer hier abgebildeten Tanzgruppe aus Tschechien gelebt wurde. Unter anderem führten die Beteiligten die Sternpolka auf, die sowohl im Mühlviertel als auch in Böhmen verbreitet und beliebt ist und hier von Toni Pichler begleitet mit seiner Steirischen Harmonika zu hören ist.