Siebenschritt

Die bekannte Volkstanzforscherin Ilka Peter (1903-1999) zeichnete in den 1930er und 1940er in verschiedenen Regionen Salzburgs Siebenschritt-Formen auf. Ihre Aufzeichnungen bei diesem und bei vielen anderen Tänzen zeigen, dass zur jeweils gleichen – oder nur geringfügig variierten – Melodie jeweils andere Schrittfolgen getanzt wurden. Die frühe Volkstanzforschung sah darin, ähnlich wie beim Dialekt, regionalspezifische Ausprägungen. Ob solche tatsächlich vorhanden waren, oder ob ganz einfach von individuellen Vorlieben einzelner TänzerInnen oder von im Moment entstandenen „Zufallsprodukten“ auf ein größeres Ganzes geschlossen wurde, lässt sich heute in den meisten Fällen nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Für viele Musik- und TanzliebhaberInnen aber mochte und mag der Gedanke einer regionalen Verwurzelung einzelner Tänze und Musikstücke, wie ihn die Volksmusik- und VolkstanzforscherInnen in ihren schriftlichen Sammlungen proklamierten, durchaus reizvoll erscheinen. So erklärt sich auch, dass viele Trachten-, Brauchtumspflege- und Volkstanzvereine im Laufe der letzten Jahrzehnte aus Sammlungen wie jener Ilka Peters die Aufzeichnungen „ihrer“ Region herausgriffen und sie in ihr Repertoire übernahmen, wobei mitunter streng auf „Authentizität“, d.h. die Einhaltung der jeweils „regionaltypischen“ Choreographie, geachtet wird.

Kreativität im Umgang mit diesem Tanz zeigt das im Rahmen eines 2009/10 durchgeführten „Mit allen Sinnen“ Projektes: SchülerInnen des Sport Realgymnasiums und Musisches Schulsportmodell in Salzburg erarbeiteten eigene Texte und neuen Figuren zum Tanz, um diese beim Salzburger Kathreintanz 2009 zu präsentieren.

Die zu hörende Tonaufzeichnung ist der CD Volkstanz in Salzburg, Folge 1 entnommen, die von der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz Salzburg 1996 herausgeben wurde. Das gleichnamige Heft enthält den Siebenschritt mit Noten und Tanzbeschreibung.

Es spielen die Flachgauer Musikanten, die sich aufgrund von Bestrebungen von Tobi Reiser (1907-1974) im Jahr 1934 gründeten. Die Entstehung der Gruppe war in der konservativen Haltung der im Land Salzburg aktiven Trachten- und Brauchtumspflege der 1930er eingebettet. Besorgt gegenüber den modernen Einflüssen in Mode und Tanz, versuchte man die traditionelle Musik zu fördern. Die Gruppe setzte sich ursprünglich aus zwei Klarinetten, diatonisches Hackbrett, Geige, Gitarre und Bassgeige zusammen. Heute ist die Gruppe flexibel in ihrer Besetzung und im Repertoire. Sie wird von Sepp Radauer geleitet. Als Fixpunkt spielt sie beim jährlichen, vom Bergsteigerverein Edelweiss-Club Salzburg veranstalteten, „Edelweißkränzchen“.

Bild: SchülerInnen Sport Realgym. und Musisches Schulsportmodell beim Kathreintanz in Salzburg 2009 im Rahmen des Schulprojektes „Mit allen Sinnen“ des Ö. Volksliedwerks


Projekt:
Fit für Kathrein
Schulen:
5./6. Klasse Sport Realgymnasium und Musisches Schulsportmodell, Salzburg
Zeitraum:
September – Ende November 2009, Juni 2010
Personen:

40 SchülerInnen, 8 Lehrpersonen, 6 ReferentInnen, Salzburger Festtagsmusi, Mix-Dur, Arge Volkstanz, Salzburger Trachtenjugend, Landesverband der Salzburger Heimatvereinigungen

Projektbeschreibung:

Anlässlich des von der Europäischen Union 2009 ausgerufenen Jahres zur Kreativität und Innovation setzten sich die SchülerInnen im Schuljahr 2009/2010 im Projekt „Fit für Kathrein“ mit der eigenen Volkskultur auseinander und verorteten diese in das zeitgenössische Kulturbewusstsein.

In einem ganztägigen Workshop wurde den SchülerInnen das Volkstanzen näher gebracht: Die Jugendlichen erlernten von den ReferentInnen die Tanzschritte zu Walzer, Polka, Marsch, beschäftigten sich mit den verschiedenen Takten und  Tanzfiguren. In weiteren Übungseinheiten wurde dieses Wissen vertieft, darüber hinaus wurden eigene Tanzformen zu zwei bekannten Volkstanzmelodien entwickelt und dabei der kreativer Umgang mit Tradition gelebt. Ausgewählt wurde die Melodie eines Boarischen – dazu entwickelte die Klasse 5m neue Figuren in Vierergruppen. Zum hier von den Flachgauer Musikanten zu hörenden Siebenschritt, erarbeiteten die SchülerInnen der Klasse 6m eigene Texte und neuen Figuren. Parallel zu den Tanzeinheiten fanden im klassenübergreifenen Instrumentalunterricht Proben der gegründeten Tanzlmusi statt.

Bei zwei weiteren Projekttagen setzten sich die Jugendlichen mit der Kleidung beim Volkstanzen auseinander: Neben der Geschichte, Technik und Handhabe des handwerklichen Stoffdruckes, lernten sie traditionelle Muster der Volkskunst anhand von Trachtenstickerei, Stoffmuster und Stoffdrucken kennen und entwarfen daraus eigene Muster für ein Kleidungsstück (T-Shirt zur Lederhose, Hemd zur Jeans, Kopf- oder Halstuch).

Als Höhepunkt des Projektes nahmen die SchülerInnen am Salzburger Kathreintanz mit ihren neuen Kreationen teil.