Österreichisches VolksLiedWerk
Volksmusikland Österreich
In der ganzen Stadt, da brennet kein Licht (Vom Herrn Jesus)
SchülerInnen der VS St. Ursula in Klagenfurt bei ihren selbst gestalteten Kreuzwegstationen 2009 im Rahmen des Schulprojektes
SchülerInnen der VS St. Ursula in Klagenfurt bei ihren selbst gestalteten Kreuzwegstationen 2009 im Rahmen des Schulprojektes "Mit allen Sinnen" des Ö. Volksliedwerks

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Dieses alte Karfreitagslied stammt aus der Gottschee (Kocevje), einer "deutschen Sprachinsel", die seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bis zur Umsiedlung unter den Nationalsozialisten 1941 im heutigen Slowenien bestand. Das Lehen der Grafen von Ortenburg (Oberkärnten) wurde hauptsächlich mit Bauersleuten aus Oberkärnten und dem heutigen Osttirol besiedelt. Aus den mitgebrachten Dialekten entwickelte sich die Gottscheerische Mundart, die auch in diesem Lied zu finden ist und in Sprachforschungen immer wieder auf großes Interesse stieß. Mit dem Zerfall der Donaumonarchie wurde die Gottschee 1918 Teil des Königreichs Jugoslawien. Die damit einhergehende zunehmende Beschneidung der Rechte der Minderheiten und die folgende Umsiedlung nach Österreich durch die Nationalsozialisten führten zu mehreren größeren Auswanderungswellen dieser Bevölkerungsgruppe, vorwiegend nach Amerika.

Mit den ersten Sammelaktionen des Österreichischen Volksliedwerkes zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde auch in der Gottschee eine Vielzahl an Volksliedern aufgezeichnet. Das Lied, auch unter dem Titel „Vom Herrn Jesus“ bekannt, ist in mehreren Versionen vorhanden. Die vorliegenden Noten wurden von Engelbert Maurin bearbeitet, mehrstimmig gesetzt und 1939 publiziert. Die Aufzeichnungen stammen entweder vom Autor selbst oder vom Volksliedsammler Josef Perz. Weitere Aufzeichnungen sind von Johann Tschinkel (1875-1925) zwischen den Jahren 1895 bis 1918 bekannt, sowie von Fritz Berthold im Zuge eines 1935 durchgeführten Preissingens in der Gottschee. Speziell aus seinen Unterlagen geht hervor, dass diese Untersuchungen bzw. das Preissingen stark zur ideologischen Festigung des Deutschtums beitragen sollten.

Schließlich kam das Lied, ­entweder durch die Aufzeichnungen oder die Auswanderungen der Gottscheer, in den alpenländischen bzw. tirolisch-bayrischen Raum, wo es seit den 1950er Jahren bei Gesangsgruppen beliebt ist. Die hier zu hörende Tonaufzeichnung des gemischten Chores „Heimatklang“ Bach,­ eine Bearbeitung für Männerchor und Sopransolostimme, scheint das Lied aber auch bei Kärntner Chören attraktiv zu machen. 2005 wurde das Lied mit der Solistin Edeltraud Ingrid Hirm aufgezeichnet. Der seit 1949 bestehende Chor bestreitet jährlich unter der Leitung von Siegi Hoffmann zwei vorösterliche Singen und versteht dies als Beitrag der musikalischen Brauchtumspflege. Die hier abgebildeten SchülerInnen der Volksschule St. Ursula in Klagenfurt trugen das Lied bei einer Kreuzweg Begehung im Rahmen des Schulprojektes des Österreichischen Volksliedwerks „Mit allen Sinnen“ vor. 

Noten Männerchor & Frauensolo

Noten Gottscheer Version

Literatur zur Gottschee

Information zum Preissingen

Literaturtipp

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